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Fanny Ritter Milz, Gründerin von WitwenHerz

E s gibt Momente im Leben eines jeden Menschen, da hört die Erde für einen Moment auf, sich zu drehen … und wenn sie sich dann wieder dreht, wird nichts mehr sein wie vorher! Dies ist es wohl, was wir als Witwen alle empfinden.

Das zu begreifen ist ein langer Prozess. Ich wünsche KEINER Frau, dass sie ihren Weg in ihr neues Leben als Witwe alleine gehen muss – so wie ich. Deshalb habe ich „WitwenHerz“ ins Leben gerufen und das ist . . .

Meine Geschichte

Die Ärzte betraten das Zimmer, meine Besuchszeit war abgelaufen. Ich küsste ihn zärtlich und drehte mich bei der Türe nochmals um. Unsere Blicke trafen sich … „Ich hätte dir noch so viel zu sagen“ … rief er mir nach. Und ich antwortete „Liebling, du hast morgen noch soviel Zeit dazu“.

Ich konnte nicht wissen, dass das seine letzten Worte an mich waren. Ich konnte nicht wissen, dass man ihn um Mitternacht in ein künstliches Koma versetzen würde. Hätte ich bei ihm bleiben sollen? Was hätte er mir noch sagen wollen?

Als er starb, war ich bei ihm und hielt seine Hand. Er ist ruhig eingeschlafen. Hatte er gespürt, dass er nicht alleine war?

Wir waren 15 Jahre verheiratet und 21 Jahre zusammen. Er war die Liebe meines Lebens. Ich war am Boden zerstört und plötzlich Witwe – was nun?

Das Bett neben mir war leer. Nie mehr sehen, spüren und hören. Ich fühlte mich so einsam. Wann kommt er nach Hause? Warum kommt er nicht nach Hause? Er konnte nicht mehr kommen; er war tot.

Für mich war er die Welt, doch für die Welt war er nur jemand.

Sie drehte sich weiter, als sei nichts geschehen. Die Nachbarin führte weiter ihren Hund Gassi und der Postbote trug weiter Zeitungen aus.

Als erstes hatte ich alle seine Sachen weggeräumt, auch Fotos. Ich konnte es nicht ertragen. Ich hatte nie gewusst, wie unendlich viel Tränen in mir steckten.

Einmal bin ich in den Wald gefahren und habe laut geschrieen. Danach ging es wieder für eine kurze Zeit.

Ich fühlte mich innerlich tot – nach aussen schien, dass ich mein Leben in Griff hatte. Man sah mir meinen Kummer nicht an. Nur in Momenten, in denen ich meine Trauer zuliess (oder sie mich übermannte), kam meine wahre Gefühlswelt an die Oberfläche.

Ich wurde zur Schauspielerin, die sich selbst und anderen etwas vormachte.

Es war ein Sterben auf Raten bis nichts mehr übrig war ausser Fassade für die Mitmenschen (Ach, die lacht ja wieder, dann geht es ihr wohl wieder gut). „Nicht denken, nur funktionieren! Nur die nächsten 24 Stunden durchstehen!“

Eines Abends . . .

… auf meinem Weg von der Arbeit nach Hause lief ich über eine Brücke. Die Stadt war in  vorweihnachtlicher Stimmung und ich fühlte mich inmitten der vielen Menschen unendlich verloren. Ich beugte mich über das Geländer und sah auf das dunkle Wasser unter mir. Es flüsterte „Nur ein kleiner Schritt und du hast es hinter dir“. Da entschied ich: Jetzt muss sich etwas ändern.
Ich hatte von ihm gelernt, wie wertvoll das Leben ist und dass man jeden Moment auskosten musste. Ich durfte mich nicht verkriechen. Einst hatten wir uns gegenseitig versprochen eine neue Liebe zu suchen, falls einer von uns sterben müsste.
Ein lieber Freund machte mir seit längerem Avancen.
Kaum kam Nähe auf, zog ich mich zurück. Aber ich fühlte mich so einsam. Diese unerträgliche Sehnsucht! Anfangs habe ich mich gefragt: Ist das erlaubt? War es zu früh? Es war so unglaublich tröstend, wieder liebevoll in die Arme genommen zu werden … und plötzlich war ich neu verliebt.

Wie war so etwas überhaupt möglich? Wie konnte man von „weinen und tieftraurig“ zu „Hals über Kopf verliebt, heissen Wangen, vor dem Türöffnen noch zweimal in den Spiegel schauen“ kommen?

Viele dachten, jetzt hat sie einen neuen Partner, jetzt ist die Trauer weg.
Aber das stimmte nicht. Die Gefühlsschwankungen zwischen Paradies und Hölle waren gewaltig – zwischen total euphorisch glücklich und weinen. Meine neue Beziehung litt zunehmend unter dieser Zerreissprobe. War es ein Verrat, wenn ich einen anderen so sehr liebe, wie ich ihn geliebt hatte? Würde ich das, was wir hatten mindern, wenn ich mit einer neuen Liebe genauso glücklich würde?
Ich wollte diese neue Liebe nicht verlieren! Ich musste UNBEDINGT lernen mit mir selbst und meinem Leben als junge Witwe klar zu kommen. (Mein Master in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften war dabei nutzlos)
Ich entschloss mich wieder die Schulbank zu drücken.
Zuerst investierte ich in eine Ausbildung als „Master in neuro-linguistischer Programmierung“. Danach folgten diverse Zertifizierungen als professioneller Coach. Ich war mein eigenes „Versuchskaninchen“ für das neue Wissen. Und die Resultate zeigten sich:
Meine Seelenwelt besserte sich.
Ich hatte langsam wieder das Gefühl lebendig zu sein. Wenn sich trotzdem Traurigkeit von tief unten empor schlich, dauerte sie nicht mehr mehrere Tage, sondern oft nur einen Tag, oder wenige Stunden. Die positiven Momente überwiegten.
Die Trauer veränderte sich. Ihre scharfen Kanten wurden nach und nach weniger scharf. Langsam kamen die schönen Erinnerungen zurück: Wie wir uns kennenlernten, unsere Reisen, das Verstehen ohne viel Worte, das „Für-sich-da-sein“.
Es gelang mir mehr und mehr meinen Focus auf das lenken, was ich hatte und weniger auf das, was ich nicht mehr hatte. Ich erfreute mich wieder am Schnee, der in der Sonne glitzerte und dem Duft der Rosen.
Heute feiern meine zweite Liebe und ich 10+ Hochzeitjahre.
Ich finde es wunderschön, am Morgen neben ihm aufzuwachen, oder wenn er sich kurz einen Kuss abholt bevor er wieder Schnee schippen geht. Wie sich diese neue Liebe anfühlt? Sie ist aufregend. Nicht mehr so aufregend wie mit 20. Aber es fühlt sich sehr warm an, und tief.

Die, die fort sind, kommen nie mehr. Nichts, gar nichts bringt sie uns je wieder zurück. Aber sie bleiben im Herzen drin. Also muss das Herz einfach grösser werden.

Doch das alles kann nur eine Witwe WIRKLICH verstehen.

Ich bin für dich da.
Erzähl‘ mir was dir auf dem Herzen liegt. Ich antworte dir schnellstmöglich.

Ich bin für dich da